Ehemalige Augustiner Chorherrenstiftskirche, jetzt Pfarrkirche
Patrozinium: St. Peter und St. Paul (29. Juni)
Dekanat und Landkreis Miesbach, Oberbayern
Erzbistum München und Freising
Aus der Geschichte
Im Namen der heiligsten und persönlichen Dreifaltigkeit! Kund sei hiermit allen Gläubigen Christi, den gegenwärtigen sowohl wie den zukünftigen, was ich, Sigebotho, durch Gottes Gnaden Graf, zur Ehre des Herrn Jesus Christus und seiner heiligen Mutter, und nicht zum Wenigsten aller Heiligen, für mein Seelenheil und das meiner einstigen Gemahlin Adelhait, sowie für unsere Kinder Sigebotho und Gertrud, für alle unsere Vorfahren, aus meinem Erbvermögen mit Zustimmung unserer Verwandten zur Gründung eines Klosters mit einem eigenen Beamten für den Weinbau zu Ehren der Apostelfürsten Petrus und Paulus hingegeben habe. In diesem sollen nach meiner Bestimmung mit Gottes Hilfe Chorherren wohnen und nach der Regel des hl. Augustinus leben..."
Man schrieb das Jahr 1133, als der Stifter diese Urkunde ausstellte und damit das Kloster Weyarn gründete. Der Weinkeller, der bei der Burg war, gab wohl auch den Namen WEYARN, abgeleitet von "cella vinaria" (Weinkeller). 1273 erscheint zum erstenmal der Name "Weiern".
Empfänger der Stiftung war der Erzbischof Konrad 1. von Salzburg, ein besonderer Förderer der Augustinerchorherren. In der Nachfolgezeit hatte bis zur Aufhebung des Klosters das Domkapitel von Salzburg das Präsentationsrecht und die Wahlleitung des Propstes in Weyarn. Die Beliebtheit der Augustinerchorherren zeigt sich daran, daß es damals in Oberbayern 17 Chorherrenstifte gab.
An das Schloß wurde eine romanische, dreischiffige Basilika ohne Querschiff angebaut, das Schloß diente umgeändert als Kloster. Die heute noch erhaltene Schloßkapelle St. Jakob wurde als Kapitelsaal verwendet. Nach bescheidenem Anfang kamen schwere Unglücksfälle über das Kloster: 1236 brannte das Kloster, 1356 das Kloster samt der Kirche nieder.
Propst Heinrich 11. ließ mit Hilfe des Grafen Georg von Waldeck und des Münchner Bürgers Ulrich Stypfner die Kirche dreischiffig im gotischen Stil wieder aufbauen. Nördlich an den Chor ließ er die Nikolaus- und Magdalenenkapelle anfügen. Am 24. Juni 1374 wurde die Kirche geweiht. Um dem Kloster wieder wirtschaftlichen Halt und Aufschwung zu verleihen, reiste Propst Heinrich 11. zusammen mit Georg von Waldeck 1371 nach Avignon an den päpstlichen Hof und erreichte 1373 die Inkorporation (Einverleibung) der Pfarrei Neukirchen. Graf Georg errichtete für sich eine Grablege an der Kirche, die St. Georgskapelle.
Propst Friedrich Kirchner (1465-74) baute an der südlichen Chorecke einen Turm (unterer Teil erhalten) und verlegte die Grabstätte der Stifterfamilie in die Klosterkirche vor die Stufen des Altarraumes. Als Vorbild dienten ihm dabei andere bayerische Stifte. Die reich ausgestalteten Filialkirchen der Pfarrei Neukirchen (Reichersdorf, Pienzenau, Esterndorf, Sonderdilching, Bruck und Mittenkirchen) und deren Weihedaten um 1500 deuten auf eine rege Bautätigkeit und großes Kunstinteresse. Hierfür seien die Aufträge an den bekannten Münchner Bildhauer Erasmus Grasser als Beispiele genannt.
Das 16. Jahrhundert war auch für Weyarn, wie für alle anderen Klöster, eine Zeit des inneren und äußeren Niedergangs. Erst Propst Wolfgang Reiffenstuel (1607-26) führte das Kloster zu neuer langer Blüte, dank des großen Wirkens auch seiner geistig und wirtschaftlich hervorragenden Nachfolger auf dem Prälatenstuhl von Weyarn.
Ein hervorragender Propst war in dieser Nachfolgezeit Valentin Steyrer (1626-59). Er vergrößerte den Besitz des Klosters in besonderem Maße, richtete eine Studienanstalt ein, baute einen neuen Kirchturm, eine Mariensäule und die Marienkapelle, 1653/57 die Wallfahrtskirche Weihenlinden als erste größere Barockkirche des Landes. Valentin war ein Universalgenie, so entwarf er selbst die Pläne. Das Ordinariatsarchiv in München bewahrt einen Folianten mit vielen Rissen für kleinere und größere Bauten in und um Weyarn.
Bernhard Glas (1660-71) führte die Wallfahrtskirche Föching auf.
Das Jahr 1677 ließ Weyarn einen großen Brand erleben, dem das Seminar, die Bibliothek mit teilweise sehr wertvollen Büchern und die Kirche zum Opfer fielen. Gelasius Harlaß (1675-95) ließ die jetzige Kirche errichten und erlangte vom Papst das Recht, die Inful bei feierlichen Gottesdiensten zu tragen. (Nur Beyharting und Bernried erlangten diese Würde nie.)
Der Spanische Erbfolgekrieg traf Weyarn schwer, besonders 1706 und 1713, und Klosterbrände fügten ihm großen Schaden zu. Doch erholte es sich rasch und feierte mit großem Aufwand das 600jährige Gründungsjubiläum 1733. Augustinus Hamel (1753-65) kommt das Verdienst zu, den berühmten bayrischen Rokokobildhauer Ignaz Günther für Arbeiten in der Klosterkirche gewonnen zu haben. Unter Augustin Hamel blühten auch besonders die Musik und deren Pflege. Das musikalische Archiv umfaßte 1765/1803 500 Handschriften. Namen, die zu nennen sind: Hailler, Acher, Ott, Süßmann waren gute Komponisten; deren bester war Bernhardt Haltenberger († 1780) aus Schongau, der sich auch Montenelli nannte. Sein Nachfolger Josef Michl war zeitweilig auch Dirigent und Kammerkompositeur am kurfürstlichen Hof. Die Musikallen sind über die Säkularisation erhalten geblieben und befinden sich als Leihgabe des Pfarramtes Weyarn in der Dombibliothek in Freising.
Der letzte Propst des Klosters, Rupert Sigl (1765-1803), ein Holzkirchner, war sehr bemüht um Schule, Wissenschaft und um die Geschichte seines Klosters. Das wissenschaftliche Interesse seiner Chorherren läßt die gegen 5000 Bücher umfassende Privatbibliothek des Professors und Pfarrvikars Albert Kirchmair erkennen, welche der Propst seiner Klosterbibliothek einverleibte. Am 19. März 1803 wurde auch das Stift Weyarn aufgelöst. Ein Teil der Gebäude wurde niedergerissen, den anderen retteten einige Chorherren durch Kauf, besonders die beiden Kapellen. Der Einflußbereich des Stiftes Weyam zeigt sich in den inkorporierten Pfarreien Neukirchen (1373) mit seinen vielen Filialen, Osterwarngau (1596), 1619 Feldkirchen mit Filiale Unterdarching, dann Högling, Ottendichl vor München, ferner ein großer Gutshof Schwaig bei Haag/Wasserburg. Die Gebetsverbrüderungen mit vielen anderen Klöstern und Stiften sorgten für einen regen Austausch in Wissenschaft, Schule und Seelsorge.
Baugeschichte der Kirche
Von 1374-1687 hatte als Seelsorgekirche die links an das Presbyterium der gotischen Klosterkirche angebaute Nikolauskapelle gedient (1687 abgebrochen). Der jetzige dritte Kirchenbau wurde notwendig nach dem Brand 1677.
Er wurde in den Jahren 1687-93 auf dem Platz der alten Kirche errichtet, jedoch größer. Als Baumeister fungierte Lorenzo Sciasca aus Graubünden. Der Freisinger Weihbischof J. Sigmund Zeller gab ihr am 9. August 1693 die kirchliche Weihe. In der Kirche befanden sich damals erst der Hochaltar und die Kanzel. Nur die links angebaute Sakristei hatte zunächst in schlichter Quadratur gegossenen Rahmenstuck erhalten. Die acht Seitenaltäre wurden 1695, 1697 und 1700 aufgestellt. Der Turm wurde 1713 um ein zweigeschossiges Achteck erhöht und mit einer Haubenkuppel abgeschlossen. In Vorbereitung auf das Stiftsjubiläum hat man die Kirche 1729 einheitlich mit Stuck und Fresken ausgestattet. Der Orgelprospekt der Kirche datiert auf das Jahr 1745 und wurde bei der Erneuerung der Orgel 1913 beibehalten. Auf Antrag des Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege wurde das pneumatische Orgelwerk ausgebaut und durch ein mechanisches nach alten Vorlagen durch die Firma Anton Staller, Grafing, ersetzt und um 5 Register auf insgesamt 22 erhöht. Dabei wurde das bisher blinde Rückpositiv zum Vorteil der Musikalität klingend gemacht. Am Kirchweihfest 1983 wurde die Orgel von Weihbischof Franz Schwarzenböck eingeweiht und der endgültige Abschluß der Kirchenrenovierung gefeiert. So erstrahlt die am 9. Dezember 1805 zur Pfarrkirche erhobene ehem. Stiftskirche der Augustinerchorherren im festlichen Glanz. Ihre Grablegung hatten in dieser Kirche: die Waldecker, Pienzenauer und die Barth von Wattersdorf.
Restaurationen wurden in der Kirche verschiedentlich in kleinerem Umfang durchgeführt. Die über der Orgel stehende Jahreszahl 1829 deutet auf eine größere Maßnahme hin, bei der sehr kräftige Farben aufgetragen wurden. Die Altäre, besonders der Hochaltar, und die Kanzel wurden mehrmals (1856,1908,1915 und 1931) erneuert. In den Jahren 1970-1980 wurden vom Landbauamt Rosenheim eine dringende Sanierung des Gebäudes und eine Neueindeckung mit Schindeln vorgenommen. Die Innenrestaurierung in den Jahren 1974?80 hat soweit wie möglich den originalen Farbton des Stucks wiederhergestellt, die Fresken und Bilder gereinigt und so dem ganzen Raum einen frohen Glanz gegeben.
Baumeister und Künstler
1. Valentin Steyrer Propst von Weyarn, wurde schon als Baumeister erwähnt.
2. Lorenzo Sciasca (geb. 1643 in Roveredo/Graubünden, gest. 1694 ebenda), Architekt dieser Kirche und der Kirchen von Karlstein/Reichenhall (1676), Traunstein (1678), Vachendorf (1681), Herrenchiemsee (1684), Gmund (1688) u.a. mehr.
3. Hervorzuheben ist der Benediktinerbruder aus Tegernsee: Heinrich Zollikofer. Er stammt aus St. Gallen (geb. 1648), wandte sich vom Kalvinismus ab und trat ins Kloster Tegernsee ein. Für Weyarn schuf er verschiedene Pläne zu Klostergebäuden.
4. Der gebürtige Wessobrunner Johann Baptist Zimmermann (1680-1758), Münchener Hofmaler und -stukkator, hat 1729 Stuck und Fresken für die Kirche geschaffen. Joh. B. Zimmermann war einer der besten und schaffensfreudigsten Künstler im Dienst des Hofes und der Kirche (u. a. Andechs, Beyharting, Dietramszell, Neustift bei Freising, Schäftlarn und Wies).
5. Ignaz Günther (1725-75) aus Altmannstein gebürtig, Schüler von Johann Baptist Straub, einer der besten Rokokobildhauer, wohnhaft in München. Fünf seiner Werke aus der Weyarner Kirche waren 1954 in London ausgestellt. Nach Weyarn geholt durch den kunstsinnigen Propst Augustin Hamel.
